Macbeth – Oper

Giuseppe Verdi: Macbeth

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© Wilfried Hösl

Verdis Oper Macbeth, die 1847 in Florenz uraufgeführt wurde, greift ein Thema auf, das zu keiner Zeit an Aktualität einbüßen wird. Es ist der ewig wiederkehrende Kreislauf aus Ambition, Macht, mehr Macht um jeden Preis, Besessenheit und Absturz. Es scheint zuweilen, als sei er dem Menschen ins biologische Programm geschrieben. Er begegnet uns im Großen wie im Kleinen, in literarischen Dramen über das Schottland des 11. Jahrhunderts wie auf der Startseite eines Online-Nachrichtenportals.

Macbeth und das Rad der Geschichte

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© Wilfried Hösl

Banquo und Macbeth, zwei Generäle des schottischen Königs Duncan, sind auf dem Rückweg von einer siegreichen Schlacht. Sie treffen unvermutet auf drei Hexen (oder sind es Ausformungen kriegsbedingter posttraumatischer Belastungsstörungen?), die ihnen die Zukunft vorhersagen: Macbeth wird bald die schottische Königskrone tragen. Doch Banquos Nachkommen werden seine Nachfolger sein.

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© Wilfried Hösl

Lady Macbeth erfährt von der Prophezeiung und treibt ihren Mann dazu an, dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen. Macbeth ermordet König Duncan, kann den Verdacht auf andere lenken und erhält tatsächlich die Königskrone. Doch was er losgetreten hat, fängt an, ihn einzuholen. Reicht Macbeths Macht aus, um den zweiten Teil der Prophezeiung abzuwenden? Mehr und mehr Morde müssen geschehen, und Macbeths Halluzinationen rütteln immer stärker an seiner Unverwundbarkeit…

Zeitloses aus einer neuen Zeit

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© Wilfried Hösl

Verdis Macbeth ist eine Oper, die mit vielen Erwartungen bricht: Es gibt keine echten Liebesszenen, kein romantisches Paar. Stattdessen prägen Kampf, Gewalt, Spuk und Tod die Szenerie, vor den Augen des Publikums spielt sich ein packender Thriller der Macht ab. Doch unter Verdis Opern ist Macbeth zugleich eine der ehrlichsten. Macbeth und seine Frau erscheinen primitiv und berechnend, sie spiegeln die Abgründe der menschlichen Seele wider. Der Zuschauer wendet sich schaudernd von ihnen ab, aber in den Details der sie umgebenden Welt findet er viel menschliche Zerrissenheit und auch Wärme wieder.

Verdi selbst war seinen Zeitgenossen nicht nur als Opernkomponist, sondern auch als Politiker und sozial engagierter Mäzen bekannt. Mit seinen Opern Macbeth, Falstaff und Otello griff Verdi wiederholt Stoffe von William Shakespeare auf. Beide Künstler waren in bemerkenswerter Weise ihrer Zeit voraus, und beide verband die Liebe zur Arbeit an psychologischen Details. Als die Sängerin der Lady Macbeth die Oper einstudierte, beschwerte sich Verdi der Überlieferung zufolge darüber, dass sie eine zu schöne Stimme habe und eigentlich viel rauer klingen müsse – ein bis dahin in der Musik ungekannter Wunsch nach Authentizität anstelle von Perfektion.

Macbeth, eine Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi, ist in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln im Nationaltheater München zu erleben.