Oper – Die Frau ohne Schatten

Opernbesuche gehören dann zu den Glanzlichtern im Alltag, wenn gelungene Aufführungen geradezu für Glücksmomente sorgen. Zu diesen gelungenen Inszenierungen gehört zweifelsohne Die Frau ohne Schatten im Haus der Bayerischen Staatsoper am Münchner Max-Joseph-Platz.

Musik in Die Frau ohne Schatte

Die Frau ohne Schatten, Oper in drei Aufzügen von Richard Strauss,

Die Frau ohne Schatten

© Wilfried Hösl

mit einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal, gilt als Hommage an die Wiedereröffnung des renommierten Opernhauses vor gut 50 Jahren und wird von tout München als Reinkarnation des schwungvollen, schönen Klangs gefeiert. Zu verdanken ist der eindringliche Musikgenuss dem ausgezeichneten Solistenensemble von Die Frau ohne Schatten sowie der Arbeit des neu etablierten Generalmusikdirektors Kirill Petrenko, der nach dem Abgang des eher glücklosen Kent Nagano für die Gesamtleistung des Orchesters nahezu frenetisch gefeiert wird.

Handlung Die Frau ohne Schatten

Besucher der Oper Die Frau ohne Schatten werden gleich zu Beginn mit filmischen Projektionen des polnischen Regisseurs Krzysztof Warlikowski überrascht.

Oper München Die Frau ohne Schatten

© Wilfried Hösl

Als Vorlage dienen Sequenzen aus Alain Resnais’ Psychofantasie “Letztes Jahr in Marienbad” von 1961, die den Zuschauer auf den Opernabend Die Frau ohne Schatten einstimmen.
Ein Schwebezustand wird den Zuschauer ergreifen, der sich zwischen Märchenwelt und halbrealistischem Wachtraum bewegt. Dirigent Petrenko führt mit dramatischen Orchesterakkorden vom Film in die problematische Idylle einer verschrobenen Menschen-Märchenwelt.

Zwischen Märchen und Traum

Der Kaiser eines Märchenreiches ist mit der Tochter eines geisterhaften Königs verheiratet.

Ursprünglich konnte sie sich in verschiedene Tiere verwandeln; in Gestalt einer Gazelle war sie vom Kaiser einst gefangen worden. Deshalb wurde die Königstochter entzaubert. Schlimmer noch: Sie kann keine Kinder mehr bekommen und sie wirft keinen Schatten mehr. Ihnen folgt eine Menschen hassende, intrigante Amme. Ausgerechnet sie will die Kaiserin bei der Wiederfindung ihrer Fruchtbarkeit begleiten, sonst droht dem Kaiser die Versteinerung. Das kinderlose Schicksal teilt die Kaiserin mit der betrügerischen Frau des treu sorgenden Färbers Barak, die ihren kinderlieben Mann hysterisch tyrannisiert. Die Amme der Kaiserin umgarnt die Färbersfrau, sie soll ihren Schatten und die ungeborenen Kinder gegen Reichtum eintauschen. Als der kinderliebe Barak das Komplott entdeckt, endet die Ehe im übersinnlichen Nirwana. In dieser Geisterwelt keimt die Liebe von Färber und seiner Frau neu auf und die schattenlose Kaiserin fühlt sich zu ihnen hingezogen. So erscheint der Kaiser auf einem steinernen Sockel …
Aber es gibt ein kleines Happy End, wenn am Ende doch die Fruchtbarkeit siegt.

Die Realität – Richard Strauss

Oper - Die Frau ohne Schatten

© Wilfried Hösl

In der Realität wird dem Komponisten Richard Strauss ein relativ zwielichtiges Eheglück unterstellt. Auf der Basis dieser Erfahrungen spiegelt Strauss in Die Frau ohne Schatten die Einteilung unserer realen Welt in herzensgute Frauen und böse Männer und stellt das Verhältnis zwischen den Menschen differenzierter dar. Regisseur Warlikowski reichert die vordergründige Märchenidylle von Die Frau ohne Schatten mit erotischen Handgriffen, bunten Bildern und hunderten Kinderstatisten an, um dieses Thema in Die Frau ohne Schatten mehrschichtig aufzuarbeiten. So eröffnen sich die zwischenmenschlichen Diskrepanzen als brutal und bizarr, dabei ist die Geschichte ebenso wenig als stringenter Plot fassbar, wie das Libretto von Hugo von Hofmannsthal gut lesbar ist.

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