Oper – Guillaume Tell

Gioacchino Rossini ist wohl am ehesten für seine Oper Der Barbier von Sevilla bekannt, allerdings ist Guillaume Tell in französischer Sprache sein reifstes Bühnenwerk. Mit einer für seine damaligen Belcanto-Opern üppigen Besetzung (großes Orchester, Chor und Ballett) stellt Guillaume Tell den Höhepunkt seines Schaffens dar, was sich auch dadurch bemerkbar macht, dass Rossini nach dem “Tell” keine Oper mehr schrieb, obwohl er danach noch knapp vierzig Jahre lebte. Die Oper, die Rossini so gar nicht nach seinem Stil des Belcanto, sondern als französisches Drama komponierte, zu einem Erfolg zu machen, gilt bis heute noch als ebensolches Kunststück wie der Kunstschuss des Protagonisten Guillaume Tell.

Der Apfel auf dem Kopf

Oper von Rossini

© Wilfried Hösl

Abseits der Hochzeitsfeierlichkeiten dreier junger Paare steht Guillaume Tell, der vortrefflichste Bogenschütze der Gemeinde. Es bedrückt ihn die Not des seiner Freiheit berauten Vaterlandes durch den kaiserlichen Landvogt Geßler. Der Gemeindeälteste Melchthal, der als aufrechter Patriot die Achtung aller genießt, naht mit seinem Sohn Arnold, der sich mit der habsburgischen Prinzessin Mathilde verlobt hat. Tell mahnt ihn, sich nicht in den Dienst der Feinde, sondern in jenen des Vaterlands zu stellen. Während der Hochzeitsgesellschaft nähert sich Geßlers Jagdzug, woraufhin Arnold heimlich zu Mathilde schleicht, unter anderem auch, weil er um der Liebe Willen zweifelhaft seinem Patriotismus gegenübersteht. Im mittlerweile aufgezogenen Gewittersturm schützt Tell einen Fischer, der einen der Landsknechte der Jagdgesellschaft erschlagen hat, durch eine wilde Überfahrt. Die übrigen Landsknechte legen in der Siedlung Feuer und nehmen den Ältesten Melchthal als Geisel mit. Arnold, der Mathilde bei der Jagdgesellschaft angetroffen hatte, stellt sich jedoch endgültig auf die Seite seines Vaterlandes, als man ihm erzählt, die Tyrannen hätten seinen Vater ermordet. Des Nachts wird von den Männern der besetzten Gemeinden der Pakt zur Befreiung aus der Tyrannei beschlossen.

Rossinis Oper in München

© Wilfried Hösl

Der tyrannische Landvogt Geßler erklärt während der Jubiläumsfeier seines hundertjährigen Siegs über die Schweiz, dass jeder, der dem kaiserlichen Hoheitssymbol nicht die Reverenz erweise, sein Leben verwirkt hat. Guillaume Tell geht mit seinem Sohn Gemmy achtlos an dem Symbol vorbei, woraufhin die beiden dem Tod verfallen seien. Tell könne aber seinen Sohn retten, indem er diesem einen Apfel vom Kopf schießt. Tell wagt den Schuss, er gelingt. Da Tell aber einen zweiten Pfeil zum Attentat auf Geßler an sich genommen hatte, wird er dennoch in den Kerker geworfen. Das Volk nutzt die Festnahme ihres Helden als Anlass zur Erhebung, Arnold führt die Truppen an. Geßler, einstweilen mit dem gefangenen Tell auf der Flucht, nimmt diesem aus Angst vor dem Gewittersturm die Fesseln ab, damit Tell das Boot steuern könne. Dieser entkommt allerdings und es gelingt ihm, den Landvogt mit einem Pfeil tödlich zu verletzen. Bald darauf erscheint Arnold triumphierend mit den Schweizern: Geßlers Zwingburg wurde erstürmt. Als Siegespreis gewinnt Arnold Mathildes Hand.

Stilistisches Kunstwerk

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Rossinis oberflächliche Arbeitsweisen, die in vielen seiner Opern zu finden sind, treten bei der Oper Guillaume Tell nicht mehr auf. Rossini wollte beweisen, dass er als Meister der opera buffa auch im Stande sei, ein großes Werk im Stile der ernsten französischen Opern zu schreiben. Nachdem er selbst eine Aufführung einer anderen “Tell”-Vertonung miterlebt hatte, entschloss er sich, eben jenen Stoff neu zu vertonen. Dies gelang ihm innerhalb eines halben Jahres. Im Sommer 1829 wurde die Oper in Paris noch mit mäßigem Erfolg aufgeführt, nach wenigen Vorstellungen aber lernte auch das Publikum die Qualität des Werks zu schätzen und überhäuften Rossini mit enthusiastischem Lob. Die bekanntesten Stücke aus Guillaume Tell sind einerseits die Ouvertüre, weitere bekannte Teile sind vor allem die Arie der Mathilde zu Beginn des 2. Aktes und das große Ensemble der Apfelschussszene.

Guillaume Tell in München

Guillaume Tell in München

© Wilfried Hösl

Nachdem Rossinis Oper im Sommer 2014 schon bei den Opernfestspielen zu sehen war, wird die  Oper Manon Lescaut wird in französicher Sprache in der Bayerischen Staatsoper München aufgeführt. In der Titelrolle ist wie bei den Festspielen Michael Volle zu hören, mit dem jungen Tenor Yosep Kang und der Weltstimme Krassimira Stoyanova wird eine Besetzung von Weltformat unter der Leitung von Dan Ettinger in der Bayrischen Staatsoper zu hören sein.

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