Oper – Lulu

Der österreichische Komponist Alban Berg, Exponent der in den 1920er und 1930er Jahren mit der Präsentation der Zwölftontechnik radikal-neue musikalische Wege einschlagenden Zweiten Wiener Schule, hat in seinem Leben zwei Opern komponiert. Die erfolgreiche Uraufführung der nach Wozzeck (1925) zweiten Oper Lulu am 2.6.1937 in Zürich hat der 1935 im Alter von 50 Jahren gestorbene Komponist nicht mehr erlebt. Die als Dreiakter angelegte Oper Lulu konnte damals dem Publikum lediglich als Fragment gezeigt werden, da Berg den letzten Akt nicht abschließend instrumentiert hatte.

Vier Morde und ein Selbstmord

Oper Lulu in München

© Wilfried Hösl

Die düstere, auf Enttabuisierung sexueller Fragen angelegte Geschichte von Lulu, der Verkörperung eines ausgesprochen negativ besetzten Frauenbildes, hat Berg, der außer für die Musik auch für das Libretto verantwortlich zeichnete, den Tragödien „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ des deutschen Dramatikers Frank Wedekind (1864-1918) entlehnt. Bergs triebhafte Lulu hat zahlreiche Affären, stürzt die ihr verfallenen Männer ins Unglück und wird schließlich als Folge ihrer Triebhaftigkeit selbst zum Opfer. Der dramatische in der Oper Lulu erzählte Lebensweg schließt den sozialen Abstieg von der Medizinalratsgattin in Wien zur Boheme-Prostituierten in London ein. Nachdem es in den beiden ersten Akten zu einem Selbstmord und einem von Lulu begangenen Mord gekommen ist, fallen Lulu und zwei ihrer Freundinnen im Schlussakt ebenfalls Mördern zum Opfer. Lulus Mörder ist der berühmt-berüchtigte Jack the Ripper. In neueren Varianten der Oper Lulu wird versucht, Lulu nicht mit dem Makel des über Leichen gehenden „Urweibs“ zu typisieren, sondern sie als eine selbstbewusste Frau darzustellen. Statt ihrer gesellschaftlich gewollten Rolle als Opfer in einer brachialen Männerwelt zu akzeptieren, versucht sie ihren eigenen Bedürfnisse gerecht zu werden. Sie scheitert tragisch und als Heldin.


Hotel Cristal in München


Spät vollendetes Skandalstück

Oper Lulu von Alban Berg

© Wilfried Hösl

Die Darstellung von in der Zwischenkriegszeit immer noch von Gesellschaft, Kirche und Staat tabuisierten Themen wie sexuelle Selbstbestimmung der Frau oder gleichgeschlechtliche Liebe hat noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg für moralische Aufregung und auch vereinzelt zu Aufführungsverboten für die Oper Lulu geführt. In den 1960er Jahren hat der 1926 geborene Wiener Komponist Friedrich Cerha sich an das anspruchsvolle Projekt gewagt, Alban Bergs unvollendetes Meisterwerk zu vollenden. Wegen des Widerstandes von Bergs Witwe Helene Berg (1885-1976) konnten urheberrechtliche Hürden aber erst Ende der 1970er Jahre überwunden werden. Am 24.2.1979 hatte die Oper Lulu in Paris als vollständige Oper erstmals Premiere. Es folgten 2010 beziehungsweise 2012 zwei von dem deutschen Komponisten Eberhard Kloke (geb. 1948) bearbeitete Neufassungen der Lulu-Oper.

Alban Bergs Oper Lulu wird an der Bayrischen Staatsoper in München mit Marlies Petersen als Lulu aufgeführt.

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Hotel Cristal

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