Oper – La Bohème

La Bohème: Puccinis Gespür für das kreative Prekariat

Mit La Bohème, seiner Oper über das Pariser Künstlermilieu, brachte Giaccomo Puccini im Jahr 1896 das wahre Leben auf die Bühne. Hier geht es nicht um die Heldentaten mythischer Sagengestalten oder um die Intrigen und Machtkämpfe selbstsüchtiger Herrscher. La Bohème ist eine Oper, in der Menschen mit ganz reellen Sorgen durch ihr Leben stolpern, lieben, lachen, leiden und scheitern.

Hurra, wir leben – aber wie?

Eine zunächst unverfängliche Geschichte hat La Bohème zum Inhalt: Der Dichter Rodolfo, seine Freunde Marcello, ein Maler, Colline, ein Philosoph, und Schaunard, ein Musiker, leben zusammen unter ärmlichsten Bedingungen in Paris. Sie versuchen dennoch, ihr Leben zu genießen und das Beste daraus zu machen. Rodolfo verliebt sich in seine Flurnachbarin Mimì, die an Tuberkulose erkrankt ist. Marcello führt eine On-Off-Beziehung mit Musetta, die neben ihm einen wesentlich reicheren Verehrer unterhält und immer wieder Eifersuchtsdramen provoziert. Die vier Freunde erleben übermütige Abende im Pariser Nachtleben, bei denen sie durch listreiche Aktionen ihren verärgerten Vermieter hinhalten können und Musettas Verehrer um die Zeche prellen.

Mimìs Zustand verschlechtert sich jedoch immer mehr, und schließlich steht Rodolfo vor einer existentiellen Entscheidung: Soll er sie verlassen und ihr das Herz brechen, damit sie frei für einen reicheren Liebhaber wird und endlich die medizinische Behandlung erhält, die ihr das Leben retten könnte?

La Bohème – Oper hart am Abgrund

Die größten Geschichten der Oper leben von ihren Gegensätzen, die ganze Fülle des Lebens wird auf die Bühne gestellt und musikalisch ausgedrückt. In La Bohème ist der Inhalt kontrastreich bis ins letzte Detail: Freude und Leichtigkeit des Lebens gehen einher mit Leiden und Tod, Schönheit (in den Künsten) mit Elend (im wirklichen Leben), Träume von Liebe und Glück mit hartem Realismus.

Die Musik ist mal überschwänglich und humorvoll, mal bedrohlich und tragisch, aber immer ernsthaft in ihrem Ausdruckswillen, sodass sie in den schönsten und in den traurigsten Momenten gleichermaßen zu Tränen rührt. Puccini hat sich mit La Bohème unwiderruflich in die Annalen der Operngeschichte eingeschrieben. Einige Passagen gehören zum „Best Of“ der italienischen Oper und erweisen sich im Radio wie auch bei CD-Einspielungen als vielgeliebte Klassiker – allen voran Rodolfos erste Begegnung mit Mimì, „Che gelida mano“ (Wie eiskalt ist dies Händchen).

Giaccomo Puccinis La Bohème ist regelmäßig im Münchner Nationaltheater in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln zu erleben.

Puccini La Bohème, La Bohème Oper